Neues Projekt beim ULD: Studie über allgegenwärtige Datenverarbeitung
21.12.2004 Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein (ULD) die Folgen des „ubiquitären Computing" und die datenschutzkonformen Gestaltungsmöglichkeiten dieser neuen Technologie. Das Projekt läuft unter der Bezeichnung „Technikfolgen-Abschätzung Ubiquitäres Computing und Informationelle Selbstbestimmung" (TAUCIS).
Mit ubiquitärem Computing wird eine neue Generation einer allgegenwärtigen Datenverarbeitung bezeichnet, die den Datenschutz vor neue Herausforderungen stellt. Gemäß dem grundlegenden Anwendungsszenario werden Gegenstände wie Waren und Verpackungen mit einem kleinen elektronischen Speichermedium versehen. Über Sender können die auf dem Speicher enthaltenen Informationen kontaktlos von Lesegeräten auf gewisse Distanzen von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter ausgelesen werden. Ubiquitäres Computing ermöglicht es, Waren aller Art von der Schokolade bis zum Pullover, vom Reisekoffer bis zur Eintrittskarte, vom Reisepass bis zu Geldscheinen zu identifizieren. In einer nächsten Generation werden Geräte des Alltages wie Kühlschrank, Beleuchtung oder Heizung auf Bedarfsprofile ihres Besitzers reagieren (Ambient Intelligence) und miteinander kommunizieren.
„Wenn nun die Objekte nicht nur über sich, sondern auch über ihren Besitzer zu erzählen beginnen, dann sind wir als Verbraucher und Kunden mit ernsthaften Datenschutzproblemen konfrontiert", erläutert Dr. Johann Bizer, stellvertretender Landesbeauftragter und Projektleiter. Ob auf dem Speichermedium oder in den mächtigen Hintergrundsystemen der Lesegeräte - ubiquitäres Computing eröffnet heute noch kaum vorstellbare Möglichkeiten, das Verhalten von Menschen über die Objekte, die sie mit sich tragen, zu erfassen und zu verarbeiten. „Diese Technologie bietet auch wirtschaftliche Vorteile, z. B. in der Warenlogistik. Umso wichtiger ist es, die Möglichkeiten einer datenschutzkonformen Gestaltung herauszuarbeiten."
Projektpartner des ULD ist das Institut für Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin in Person von Prof. Oliver Günther, Ph.D., und Dr. Sarah Spiekermann, die bereits seit Längerem über ubiquitäres Computing und Privacyaspekte forschen. Zur Förderung ausgewählt wurde das Projekt im Rahmen des Wettbewerbes „Innovationspotenziale der Informations- und Kommunikationstechnologie" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das Projekt läuft bis zum 31. März 2006.