Warum auch Datenschützer nackt in die Sauna gehen

12.02.2010 12:48 Uhr
Warum auch Datenschützer nackt in die Sauna gehen

Bild: mag3737

Es ist immer interessant, wie eigene Aktivitäten und Mentalitäten von außerhalb wahrgenommen werden. Ein bekannter amerikanischer Blogger hat sich mit dem deutschen Datenschutz-Paradoxon befasst und erläutert, warum auch Datenschützer nackt in die Sauna gehen.

The German privacy paradox

Der Amerikaner Jeff Jarvis veröffentlichte gestern den sehr interessanten Artikel “The German privacy paradox“. Für Jarvis gibt es kein Volk, das bewusster auf den Datenschutz achtet, als die Deutschen. Bereits der Großvater seiner Frau, der 1921 aus Deutschland auswanderte, lehrte ihn: “Die Leute müssen das nicht wissen“.

Kommt Ihnen das auch bekannt vor?

Im Internet haben wir Deutschen in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt. Vor allem durch die Skandale um den Datenschutz in Facebook und anderen sozialen Netzwerken, die Einstufung der IP-Adresse als personenbezogene Information und damit die Erklärung von Google Analytics als illegal.

Auch gegen Googles Streetview (hier macht Google Fotos von Straßen und fotografiert dabei zwangsläufig auch Menschen) und Nacktscanner gehen Datenschützer vor. Das ist nicht falsch, das ist Teil unserer Mentalität: Die Leute müssen das nicht wissen. Dennoch wird dies im Ausland als weit weniger kritisch eingestuft.

Um was es bei Datenschutz wirklich geht

Ich habe vor Jahren eine Definition von Datenschutz veröffentlicht. Jarvis formulierte es so:

Wir haben ein Recht unsere Informationen zu kontrollieren und zu bestimmen, wie sie genutzt werden.

Das ist der Knackpunkt, warum auch Datenschützer nackt in die Sauna gehen dürfen. Hier entscheidet jeder selbst, dass er seine intimsten Details öffentlich macht. Die Deutschen haben mit FKK-Stränden und Saunagängen auch verhältnismäßig wenig Probleme und sind offener als die meisten anderen Völker.

Denn: Wem es nicht (mehr) gefällt, der kann sich ja jederzeit wieder anziehen.

Bei Google Streetview, in sozialen Netzwerken und den umstrittenen Nacktscannern ist dies anders. Hier werden persönliche Daten von uns gesammelt, deren Verwendung wir nicht kontrollieren können. Genau dies sorgt für das unbehagliche Gefühl.

Eine sehr interessante These in einem wirklich lesenswerten Artikel:
http://www.buzzmachine.com/2010/02/11/the-german-privacy-paradox/