IP-Adresse als personenbezogene Information

02.12.2009 07:30 Uhr5 Kommentare

IP-Adresse als personenbezogene InformationAktuell sind einige Entwicklungen im Gange, die viele Webseitenbetreiber zur Weißglut treiben. Wie bei vielen Entscheidungen, die den Datenschutz betreffen, spalten sich auch hier zwei Lager, die mit totalem Unverständnis aufeinander reagieren.

Konkret geht es darum, ob IP-Adressen als personenbezogene Information gewertet werden sollen. Anlass für diese Diskussion ist vor allem ein kostenloser Service von Google™. Der Service Google Analytics ermöglicht Webseitenbetreibern, Statistiken über Ihre Benutzer zu analysieren. Über 13% der Domains mit Endung ‚.de‘ (etwa 1,8 Millionen Webseiten) nutzen diesen Service, wie ZEIT ONLINE berichtet.

Was ist die IP-Adresse

Die IP-Adresse ist eine Art Anschrift für Ihre aktuelle Internetsitzung. Wenn Sie eine Webseite im Internet besuchen, wird diese an Ihre IP-Adresse gesendet und dann von Ihrem Browser dargestellt. Beim Wunsch anonym zu surfen nimmt die IP-Adresse deshalb eine Schlüsselfunktion ein. Lesen Sie hierzu auch: „Ist anonym surfen möglich?„.

Über die IP-Adresse kann auch eine geografische Zuordnung des Besuchers getroffen werden, wie der Anonym Surfen Test visualisiert. Allerdings kann ein Webseitenbetreiber nicht alleine durch eine IP-Adresse auf Ihre Identität schließen.

Ausschließlich Ihr Internet-Provider kann von Ihrer IP-Adresse auf Ihre Identität schließen. Ihr Provider wird diese Informationen auf Anfrage eines Webseitenbetreibers nicht herausgeben.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, möchte ich hier nicht weiter ins Detail gehen. Wenn Sie sich hier für mehr Details zu IP-Adressen interessieren, schreiben Sie mir. Ich werde Ihre Fragen gerne beantworten.

Telemediengesetz, §13

Laut dem Telemediengesetz, dem Webseiten unterliegen,ist ein Dienstanbieter (Webseitenbetreiber) verpflichtet, seine Besucher „zu Beginn des Nutzungsvorgangs über Art, Umfang und Zwecke der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten sowie über die Verarbeitung […] in allgemein verständlicher Form zu unterrichten“. Dies schreibt § 13.1 des TMG vor.

Wenn nun die IP-Adresse ebenfalls als personenbezogene Information gewertet wird, ist das Speichern somit unzulässig und kann mit Bußgeldern bis 50.000 € geahndet werden. Abgesehen von Google™ Analytics speichert nahezu jede Statistiksoftware die IP-Adresse und verstößt somit gegen geltendes Recht.

Die Auswirkungen durch die Einstufung der IP-Adresse als personenbezogene Information sind gravierend und könnten das gesamte deutsche Internet auf den Kopf stellen und sogar um Jahre zurückwerfen. Im internationalen Vergleich wird die Entwicklung deutscher Internetangebote noch mehr hinterherhinken, als dies aktuell bereits der Fall ist. Dies ist keine reißerische Werbebotschaft oder Panikmache, wie ich im weiteren Verlauf noch belegen werden.

Das Thema ist derart umfangreich, dass ich es an dieser Stelle in mehrere Artikel aufteilen möchte.

Zu den angekündigten Fortsetzung der beiden Artikelserie über Spam und zur Passwortsicherheit werde ich diese Woche leider nicht mehr kommen. Ich werde die beiden Serien jedoch noch im Dezember fortsetzen, versprochen!

3 Trackbacks

2 Kommentare

  • Gernot Gawlik schreibt:

    Ich gehe davon aus, dass sich in Zukunft nicht viel ändern wird und die Diskussion um die IP als personalisiertes Datum immer weiter geht. Ich habe in meinem Artikel vom Juli 2008 schon auf diese Problematik hingewiesen und bis dato hat sich aber auch rein garnichts getan.

  • Stefan schreibt:

    Kann ja gut sein, dass das Thema kurzfristig wieder hochkocht:

    http://www.futurezone.at/stories/1665468/

    Der Datenschutzbeauftrage aus Rheinland-Pfalz zumindest rasselt schon einmal.