Kaspersky um Richtigstellung bemüht

26.10.2009 07:20 Uhr

Eugene KasperskyVergangene Woche berichtete ich, wie sich Eugene Kaspersky in einem Interview die Abschaffung der Anonymität mit Internet Passports wünscht. Das Interview ging schnell durch die Presse und Kaspersky wurde hart dafür kritisiert. In einigen Foren war sogar die Rede davon, Sicherheitsprodukte von Kaspersky zukünftig zu meiden und auf Konkurrenzprodukte auszuweichen. Nur kurze Zeit später reagierte Eugene Kaspersky und veröffentlichte eine Richtigstellung seiner mißverstandenen Nachricht.

Anonym surfen ist nicht möglich

Gleich zu Beginn seines Artikels, geht Kaspersky darauf ein, dass Anonym Surfen nicht möglich ist:

Der Otto-Normal-Internetbenutzer ist NICHT anonym für die Polizei und Regierung und kann sehr einfach ausfindig gemacht werden. Hier unterliegen die meisten einer falschen Annahme zur Anonymität im Internet. Nur wenige realisieren, dass zuverlässig anonym surfen gar nicht möglich ist“.

Nur wenige Wochen zuvor, habe ich in meinem Artikel „Ist anonym surfen möglich“ ebenfalls versucht Ihnen die Illusion von Anonymität zu nehmen. In dem Artikel finden Sie auch die Antwort, warum das so ist.

Cyber-Kriminelle sind oft vollkommen anonym

Weiterhin schreibt Kaspersky:

„Das Schlimmste daran ist, dass die einzigen die es doch schaffen anonym zu surfen, die wirklichen Cyber-Kriminellen sind, weil diese ausreichend Möglichkeiten und Wissen haben, Ihre Identität im Internet zu verschleiern. Das ist der Grund, warum wir jährlich millionenfach verseuchte Software und erfolgreiche Netzwerkangriffe verzeichnen ohne die Hintermänner ausfindig machen zu können.“

Auch diesen Punkt kann man ihm inhaltlich nicht streitig machen. Hinzufügen möchte ich hier, dass die angesprochenen Cyber-Kriminellen meist aus dem Ausland agieren oder z.B. Proxy Server im Ausland benutzen, bei denen Sie die Betreiber kennen oder die sie selbst betreiben. Zwar kann die IP-Adresse bis dorthin verfolgt werden, jedoch ist in den jeweiligen Ländern selbst dann keine Auskunft mehr zu bekommen. Somit bleibt die Identität unbekannt.

Weiter schreibt Eugene Kaspersky:

Als ich sagte „keine Anonymität“ meinte ich dies ausschließlich im Bezug auf Sicherheitskontrollen. Mir ist es egal, wie sich jemand in Blogs, Foren, sozialen Netzwerken und Torrent-Portalen benimmt. Hier können ruhig weiter Pseudonyme verwendet werden. Die einzige Anwendung meiner Forderung nach Abschaffung der Anonymität gilt gegenüber dem eigenen Provider. Ausschließlich der Provider muss Ihre reale Identität kennen.

Selbst dies ist schon ein kritischer Punkt. Allerdings verstehe ich gut, was Kaspersky damit sagen will und worum es ihm geht. Es geht nämlich nicht darum, dass Webseitenbetreiber Ihre Identität kennen sollen. Seine Idee aber ist, dass Ihr Provider Sie zweifelsfrei identifizieren können soll. D.h. wenn z.B. ein Verbrechen vorliegt, kann immer nachvollzogen werden, wer der Schuldige ist – und das ist bei Otto-Normal-Internetbenutzer ohnehin schon der Fall.

In „Internet Passport und Zulassung bitte“ bezeichnete ich seine Aussagen als Schnellschuss. Ich denke, dass sie letztendlich auch genau das waren: unvorbereitet und ungenügend ausformuliert. Dennoch wird der Trend in diese Richtung gehen. Auch die Politik versucht mehr Überwachung ins Internet zu bringen, wie z.B. die Idee mit den BKA-Sperrlisten zeigt.