Scareware unterstützt „Kunden“ mit Live-Support

19.07.2010 05:29 Uhr

Die Anbieter von Scareware werden immer dreister. Beim angeblichen Virenscanner „Security Master AV“ gibt es jetzt sogar einen Live-Support, wie Nicolas Brulez von Kaspersky in seinem Artikel „Technical Support – they’re not always the good guys“ beschreibt.

Online Support durch reale Personen

In der genannten Scareware gibt es einen Button mit der Aufschrift „Online Support“. Und dort gibt es wirklich Hilfe zur Software, wahlweise im Live-Chat, per E-Mail oder sogar am Telefon.

Bild von securelist.com

Wie Brulez mit ein paar einfachen Versuchen herausfand, handelt es sich bei den Supportlern tatsächlich um reale Personen und nicht etwa um intelligente Bots, die die Kundenanfragen beantworten. Einer der Versuche bestand einfach darin, „Deborah Brown“ eine kleine Rechenaufgabe zu stellen, die diese auch prompt richtig beantwortete.

Auch bezüglich der Herkunft der Personen hinter dem Support konnte Brulez eine Aussage machen. Anhand der an ihn gesendeten Smilies, stellte er fest, dass die Person aus der Ukraine oder Russland stammen muss. Dort ist es nämlich üblich, bei Smilies die Augen wegzulassen. Was bei uns also „:-))))“ ist, wird in Russland mit „))))“ dargestellt.

Einige seiner Gespräche hat Brulez aufgenommen:

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Vollfunktionsfähige Testversion

Bei Scareware des Anbieters, die über eine Suchmaschine auf den Computer des Anwenders gefunden hat, wird dieser nach der Kontaktierung des Supports gefragt, für welche AV Support benötigt wird.

Dem Anwender wird dann eine kostenlose Testversion der Software angeboten, die dann die durch die bisherige Software gemeldeten, angeblichen Virenbefälle entfernen kann. Denn die bisher auf dem PC vorhandene Version sei lediglich ein „Free Scanner“, die Testversion sei jedoch ein voll funktionsfähiges Produkt.

Dabei gibt es jedoch zwei kleinere Probleme:

  1. Die Testversion funktioniert nur 1 Tag.
  2. Der „Free Scanner“ wird bei deren Installation nicht vollständig entfernt.

Für Problem 1 gibt es natürlich eine ganz einfache Lösung: Für die Vollversion bezahlen! Auch für Problem 2 hat der Support eine Lösung parat: Für jedes Programm gibt es einen Uninstaller.  Wie kaum anders zu erwarten, ist dieser jedoch äußert unzuverlässig und löscht nur Teile des Programms, einige der Änderungen in der Registry wurden nicht rückgängig gemacht.

Nach dem Ende der Deinstallation erhält der Anwender zudem noch einen Dialog, in dem er angeben soll, aus welchen Gründen er die Software entfernt hat. Den Scareware-Anbietern liegt wirklich etwas an der Meinung ihrer Kunden!

Informationen rund um Scareware

Im Artikel „Scareware: Das müssen Sie wissen! “ erhalten Sie wichtige Informationen und Tipps, wie Sie selbst nicht Opfer einer Scareware werden und sich effektiv schützen können. Im Artikel „Scareware in der freien Wildbahn“ können Sie sich in einem Video selbst ein Bild davon machen, wie Abzocker versuchen, Ihnen Scareware unterzujubeln.