Wälzt Google den Datenschutz an Besucher ab?

26.05.2010 10:31 Uhr1 Kommentar

Nachdem das kostenlose Analyse-Werkzeug Google Analytics viel Kritik von Datenschützern einstecken musste, hat Google nun ein Browser-Plugin veröffentlicht, um den Gegenstimmen gerecht zu werden. Allerdings ist das weder für Besucher von Webseiten noch für die Nutzer von Google Analytics hilfreich.

Was das Problem bei Google Analytics ist

Bei allen Analyse-Werkzeugen wird jeder Seitenaufruf in einer Datenbank gespeichert. D.h. immer wenn Sie einen Link anklicken oder eine URL in Ihren Browser eingeben, speichert die Zielseite Ihren Aufruf (sofern ein Analyse-Werkzeug auf der jeweiligen Zielseite aktiv ist). Dies ermöglicht dem Webmaster Auswertungen über das Besucherverhalten (siehe auch Was Webmaster aus Statistiken lesen). Dies ist erst mal nicht weiter schlimm, da es dabei i.d.R. um repräsentative Mengen an Besuchern geht – und nicht um den Einzelnen.

Viele dieser Werkzeuge speichern dabei jedoch Ihre IP-Adresse. Juristisch ist nicht eindeutig klar, ob die IP-Adresse als personenbezogene Information gewertet wird. Da dies von immer mehr Stimmen befürwortet wird und einzelne Gerichtsurteile dies bestätigten, muss jedoch davon ausgegangen werden. Daher ist die Speicherung unzulässig, denn:

Personenbezogene Informationen dürfen nur mit der Zustimmung der jeweiligen Person gespeichert werden.

Da es bei den Auswertungen nicht um den einzelnen Besucher geht,  ist die Speicherung der IP-Adresse ohnehin unnötig. Leider speichert Google Analytics sie dennoch. Da die Server von Google auch noch im EU-Ausland stehen, liegt der Fall besonders schwer: Deutsche und europäische Datenschutzbestimmungen zur Verwendung der Daten gelten hier nicht.

Warum die Verantwortung nun beim Besucher liegen soll

Google hat nun ein Browser-Plugin veröffentlicht. Wenn Sie dieses Plugin installieren, verhindern Sie, dass Google Analytics ausgeführt wird. Das bedeutet, dass Sie durch die Verwendung dieses Plugins nicht mehr durch das Statistik-Werkzeug erfasst werden:

http://tools.google.com/dlpage/gaoptout?hl=de

Das Problem dabei ist, dass Sie nun selbst aktiv werden müssen. Sie müssen in Ihrem Browser ein Plugin installieren, damit Ihre IP-Adresse nicht gespeichert wird. Wird daruch angenommen, dass jeder der das Plugin nicht installiert (oder nichts davon weiß), einer Speicherung stillschweigend zustimmt?

Das wäre nämlich Quatsch. Wenn das Gesetz (sofern es so auslegt wird) eine Zustimmung zur Speicherung erwartet, ist das Plugin keine Lösung.

Warum Google Analytics für Webseitenbetreiber problematisch wird

Hinzu kommt, dass Webseitenbetreiber sich auf die Zahlen ihres Statistik-Werkzeuges verlassen müssen. Durch das Plugin entsteht nun aber eine unbezifferbare Lücke in den Statistiken. Da für Werbepartner vor allem die Besucherzahlen und Seitenaufrufe pro Monat wichtig sind, werden die Google Statistiken nun u.U. nutzlos.

Das heißt mit dieser Aktion schützt Google die Besucher nicht und vergrault auch noch die Nutzer von Google Analytics. Blinder Aktionismus?

Sinnvolle Änderung geht unter

Zudem bietet Google Analytics nun die Möglichkeit, die IP-Adresse nur gekürzt zu speichern. Dafür werden die letzten 8 bit der IP-Adresse einfach gelöscht, wodurch die IP-Adresse keinem einzelnen Besucher mehr zugeordnet werden kann. Die gekürzte IP-Adresse stellt somit keine personenbezogene Information mehr dar und darf gespeichert werden.

Dies würde die Probleme lösen, wenn Google diese Einstellung als Standard-Einstellung vorgeben würde und die Webmaster dies nicht ändern könnten. Somit würde Google Analytics weltweit keine IP-Adressen mehr speichern, das Plugin wäre überflüssig und Nutzer von Google Analytics müssten keine Lücken in ihren Statistiken hinnehmen.

Schade, dass Google hier nicht so konsequent war. Insgesamt wirkt die Aktion wie gewollt und nicht gekonnt auf mich – aber vielleicht sind ja noch wegen der WLAN-Affäre auf deutsche Datenschützer sauer? 😉

Quelle: Golem.de (Danke!)

http://www.golem.de/1005/75336.html