Was Webmaster in Statistiken lesen

03.12.2009 07:47 Uhr2 Kommentare

Was Webmaster aus Ihren Statistiken lesenSeit vielen Monaten ist im Gespräch, ob eine IP-Adresse als personenbezogenes Datum einzuordnen ist. Denn wenn die IP-Adresse in die Kategorie „personenbezogene Daten“ fällt, müssen Webseitenbetreiber umdenken. Gängige Vorgehensweisen werden unmöglich und können mit Geldbußen von bis zu 50.000 Euro geahnded werden.

In der Fortsetzung der Artikelserie „IP-Adresse als personenbezogene Information“ möchte ich Ihnen eine Einführung geben, was Statistiken sind und was Webseitenbetreiber damit machen.

Was machen Webseitenbetreiber mit Statistiken

Bei Webseitenstatistiken werden die IP-Adresse und einige weitere Informationen in einer Datenbank gespeichert. Die IP-Adresse ist hierbei u.a. wichtig, um einen Besucher nicht mehrfach zu zählen. Mir persönlich ist es dabei vollkommen egal, ob er Müller oder Schneider heißt. Aber für mich ist interessant, ob der durchschnittliche Besucher nur einen oder gleich fünf Artikel liest.

Hier einige Beispiele, die ich aus meiner Statistik herauslese:

  • Bei welchem Artikel verlassen meine Besucher Anonym-Surfen.com: Wenn 90% meiner Besucher nach dem Lesen von Artikel A keinen weiteren Artikel mehr lesen, dann ist Artikel A wohl ganz schön schlecht. Zukünftig würde ich dann weniger über das Thema von Artikel A schreiben oder bestimmte Eigenschaften des Artikels nicht wiederholen. Denn offensichtlich gefällt dies meinen Besuchern nicht.
  • Plötzliche Anstiege an Besuchern: Wenn ich an einem Tag plötzlich doppelt so viele Besucher habe wie normalerweise, versuche ich anhand meiner Statistiken herauszufinden, warum das so ist. Dies passiert beispielweise, wenn ein bekanntes Magazin einen Artikel veröffentlich und einen Link auf Anonym-Surfen.com setzt. In den Statistiken sehe ich nun, dass sehr viele Besucher über diesen Artikel kommen. Über diese Statistik bin ich froh, da ich den Artikel natürlich gerne ebenfalls lesen würde. Ohne Statistik würde ich weder von dem Artikel noch von dem Anstieg der Besucherzahlen erfahren.
  • Wieviele Artikel liest der durchnittliche Besucher: Mich interessiert, wie viele Artikel jeder Besucher im Durchschnitt liest. Dies ist für mich ein wichtiger Indikator für die Qualität der Inhalte und die „Usability“ der Webseite. Wenn diese Webseite schlecht bedienbar wäre oder die Inhalte niemanden interessieren, würde der durchschnittliche Besucher eine einzelne Seite besuchen. D.h. wenn der Wert „Seiten/Besucher“ mittelfristig steigt, bin ich auf einem guten Weg. Wenn nicht, muss ich dringend an der Menüführung oder den Inhalten arbeiten.
  • Steigen die Besucherzahlen insgesamt: Es ist ebenfalls wichtig, ob ich jeden Monat mehr Besucher als im Vormonat habe. Wenn die Kurve mittelfristig steigt, bedeutet das, dass immer mehr Menschen Anonym-Surfen.com besuchen. Wenn die Besucherzahlen hingegen zurückgehen, muss ich meine Webseite und die Inhalte verbessern.

Dies sollen nur einige Beispiel sein. Ich hoffe Sie sehen, dass ich aus den Statistiken einen Trend zu erkennen versuche. Mir geht es um die Durchschnittswerte aller Besucher. Woher genau SIE kommen oder wie SIE heißen, geht aus meinen Statistiken keineswegs hervor.

Genau so geht es vielen anderen Webseitenbetreibern auch. Die Statistiken sind ein wichtiges Werkzeug zur Qualitätssicherung und Optimierung der Webseite. Hierbei geht es keineswegs darum, die Privatsphäre der Besucher einzuschränken oder anzugreifen.

Es geht bei Statistiken um repräsentative Werte aus vielen Besuchen und nicht um individuelle Besucher.

Welche Rolle spielt die IP-Adresse?

Damit eben diese so wichtigen und gut gemeinten Statistiken aussagekräftig sind, ist die IP-Adresse notwendig. Üblicherweise werden mehrere Zugriffe von der gleichen IP-Adresse als ein Besuch gewertet. Sprich: Wenn Sie 3 Artikel auf Anonym-Surfen.com lesen, gibt die Statistik aus: 1 Besuch, 3 Seitenzugriffe.

Die IP-Adresse ist hierbei das zuverlässigste Kriterium, um mehrere Seitenzugriffe einem Besuch zuzordnen. Deshalb wird die IP-Adresse seit Anbeginn des Internets als Maßstab hierfür hergenommen. Der Grund war (und ist) also keinesweg,s einzelne Besucher auszuspionieren – es war technisch lediglich die sinnvollste Option.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen in diesem Teil einen Einstieg geben, warum überhaupt Statistiken über Webseiten geführt werden und welche Rolle dabei Ihre IP-Adresse spielt.

Was das deutsche Gesetz zum Umgang mit personenbezogenen Daten sagt und warum Datenschützer die IP-Adresse ebenfalls als personbezogene Information ansehen, erfahren Sie im nächsten Teil der Artikelserie: „Wie Ihre IP-Adresse Ihre Privatsphäre gefährdet„.