Wie Ihre IP-Adresse Ihre Privatsphäre gefährdet

07.12.2009 18:45 Uhr2 Kommentare

Warum IP-Adressen die Privatsphäre bedrohenDies ist der dritte Teil der Artikelserie „IP-Adresse als personenbezogene Information„. Datenschützer versuchen seit über 2 Jahren, die IP-Adresse als personenbezogene Information einstufen zu lassen. Dadurch wäre die Speicherung der IP-Adresse ohne vorherige Zustimmung illegal.

In diesem Teil der Artikelserie möchte ich darauf eingehen, was das deutsche Gesetz zum Umgang mit personenbezogenen Daten sagt und warum Datenschützer die IP-Adresse ebenfalls als personenbezogene Information ansehen.

Was sagt das deutsche Gesetz?

Wie Sie in Teil 1 bereits gelesen haben, unterliegen Webseiten dem Telemediengesetz (TMG). §13 sagt dabei:

Der Diensteanbieter hat den Nutzer zu Beginn des Nutzungsvorgangs über Art, Umfang und Zwecke der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten […] in allgemein verständlicher Form zu unterrichten, sofern eine solche Unterrichtung nicht bereits erfolgt ist.

Das bedeutet für Webseiten, dass ein Webseitenbetreiber seine Nutzer in Kenntnis setzen muss, bevor er etwas speichert. Wenn Sie sich für einen Newsletter anmelden oder einen Kommentar abgeben, muss ich Ihnen die Möglichkeit geben, sich genau zu informieren (z.B. in der Datenschutzerklärung), welche personenbezogene Daten  gespeichert werden und was mit den Daten geschieht.

Dahinter steckt der äußert sinnvolle Schutz Ihrer Privatsphäre.

Ist die IP-Adresse personenbezogen?

Rechtlich ist es nicht ganz eindeutig. Jedoch tendieren die meisten Gerichte dazu, die IP-Adresse als personenbezogene Information anzusehen. Ohne Einverständnis des Besuchers ist die Speicherung somit illegal.

Für viele Webmaster ist dies unverständlich, da sie über die IP-Adresse keinen Personenbezug herstellen können. Hier tauchen dann Begriffe wie der „relative Personenbezug“ auf.

Der relative Personenbezug meint in diesem Zusammenhang, dass die IP-Adresse nicht für jeden eine personenbezogene Information darstellt. Man muss hier den Standpunkt unterscheiden:

  1. Ein Webseitenbetreiber kann die IP-Adresse keiner Identität zuordnen und für ihn ist sie somit nicht personenbezogen.
  2. Ein Internetprovider kann sie jedoch sehr wohl zuordnen. Somit ist die IP-Adresse für den Provider personenbezogen.

Datenschützer sehen aber hier nicht den Kernpunkt der Problematik. Es geht nicht darum, ob ich als Betreiber von Anonym-Surfen.com anhand Ihrer IP-Adresse Ihren Namen herausfinden kann (das kann ich nicht und das ist gut so).

Es geht darum, dass z.B.

  • der Staat die Herausgabe der Daten verlangen kann. Durch die Vorratsdatenspeicherung können Nutzer so über viele Monate hinweg identifiziert werden.
  • Unternehmen die Herausgabe der IP-Adressen und die zugehörigen Seitenaufrufe verlangen können.
  • Werbenetzwerke diese Daten über viele Webseiten hinweg verknüpfen, aggregieren und auswerten können. Wenn der Benutzer sich auf nur einer zugehörigen Webseite mit Namen registriert, kann das Werbenetzwerk einen Personenbezug herstellen.

Im Endeffekt stehen Sie als Besuche vor einer Gefahr, der Sie nicht entkommen können: Sie wissen selbst nicht, wer wie viele Daten über Sie gesammelt hat.

Warum Google Analytics im Vordergrund steht

Google™ lebt die großen Ängste der Datenschützer vor. Sie sind überall, unterliegen nicht der deutschen Gesetzgebung – nicht einmal der Europäischen – und sammeln massenhaft Daten. Die Dominanz und flächenabdeckende Möglichkeit zur Überwachnung durch Google™ ist auch in der Tat nicht von der Hand zu weisen.

Google™ sichert zwar in den Datenschutzbestimmungen und Nutzungsbedinungen zu, die Daten der verschiedenen Dienste nicht zusammenzuführen, aber es besteht immer noch die Möglichkeit.

Einige Beispiele, wie Google™ Daten sammelt:

  1. Wenn Sie etwas in der Suchmaschine suchen, speichert die Suchmaschine Ihre Suchbegriffe, Ihre IP-Adresse und die Uhrzeit der Suche.
  2. Wenn Sie parallel z.B. den E-Mail-Dienst von Google™ verwenden, kann Google™ Ihre Suche theoretisch mit Ihrem Konto verbinden.
  3. Da etwa 13% der deutschen Webseiten (Webseiten mit .de-Domain) Google Analytics zur Webseiten-Analyse verwenden, kann Google™ Sie theoretisch sogar auf diesen Webseiten wiedererkennen.
  4. Die kontextsensitive Werbeform „Google AdWords“ (die Sie übrigens auch auf dieser Webseite unter dem Artikel finden) wird auf noch mehr Webseiten eingesetzt. Da die Werbung direkt von einem Google-Server geladen wird, reicht bereits die Einblendung der Werbung, damit Google die IP-Adresse des Besuchers speichern kann.

Meine persönliche Meinung: Ich halte es für äußerst unwahrscheinlich, dass Google™ diese Daten zusammenführt und damit gegen die eigenen Datenschutzrichtlinien verstößt. Der Image-Schaden wäre immens. Ich bin auch überzeugt, dass Google™ das Internet besser gemacht hat. Die Suchmaschine und Dienste sind hervorragend und sparen vielen Menschen unendlich viel Zeit.

Aber dennoch besteht die Gefahr. Der Punkt dabei ist, dass Sie sich als Besucher nicht gegen eine Speicherung der Daten entscheiden können. Sie sind der Datensammlung ausgesetzt ohne eingewilligt zu haben.

Ich hoffe, dass ich Ihnen hier einen grundlegenden Einblick geben konnte, was das eigentliche Problem hinter der IP-Adressen-Speicherung und der Diskussion um Google Analytics ist.

In Teil 4 dieser Artikelserie zeige ich Ihnen die Folgen Personenbezugs: 11 illegale Dinge, die fast jeder Webmaster macht.

2 Kommentare

  • Alexander schreibt:

    Vielen Dank für diese übersichtliche Darstellung.
    EIne Frage stellt sich mir noch:
    Reicht es also für die rechtmäßige Speicherung von IP-Adressen aus, wenn ich die Nutzungsbedingungen eines Anbieters akzeptiere und dort ein Hinweis auf die Speicherung von IP-Adressen steht?

    Allgemeiner: Welche Informationen muss mir ein Diensteanbieter geben über die Daten, die er von mir erhebt bzw. verarbeitet?

    Besten Dank.

    Alexander

  • Dennis schreibt:

    Hallo Alexander,

    wenn es zum Rechtsstreit kommt und das Gericht die IP Adresse als personenbezogenes Datum einstuft, dann darf der Anbieter die IP-Adresse nicht ohne Ihr Einverständnis speichern.
    Wenn das Gericht die IP-Adresse nicht als personenbezogen einstuft aber schon.

    Unabhängig davon muss Ihnen der Anbieter in seiner Datenschutzerklärung darlegen, welche Daten er speichert und was damit geschieht.

    Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter?